Schulradio europaweit -Neues Erasmus+ Projekt an der Otfried-Preußler-Schule

Erasmus+ ist das Programm für Bildung, Jugend und Sport der Europäischen Union.

eTwinning ist die Gemeinschaft für Schulen in Europa.

Erasmus+ ist das EU-Programm zur Förderung von allgemeiner und beruflicher Bildung, Jugend und Sport in Europa und in dieser Funktion eine wunderbare Unterstützung, um mit Schüler*innen und Lehrer*innen aus ganz Europa in Kontakt und Austausch zu kommen. Seit 2019 ist die OPS Erasmus+ Partnerschule und mit diesem Schuljahr startete auch das Schulradioteam ein eigenes Erasmus+ Projekt.

Alles war so schön geplant, aber kaum waren die fast 160 Seiten des Erasmus-Antrags eingereicht, erreichte uns die erste Coronawelle und alle Schulen gingen europaweit in den Distanzunterricht. Damals dachten wir noch, dass bis zu unserer ersten Mobilität, dem Austauschbesuch mit den anderen vier europäischen Schulen, wieder Normalität herrschen würde. Aber beim Projektstart im September war dann schnell klar, dass im Dezember 2020 keine Schüler*innen und Lehrer*innen aus den Niederlanden, Portugal, Griechenland und Großbritannien nach Stephanskirchen kommen würden, um mit uns gemeinsam das Schulradioprojekt zu starten.

„Höre meine Geschichte – europäische Geschichte im Schulradio“ lautet unser Projektthema und wir haben vor, uns mit den Biografien und Erfahrungen von Menschen in der Zeit des Nationalsozialismus und des 2. Weltkrieges auseinandersetzen und dazu Hörspiele und Audioguides zu produzieren. Das gemeinsame Erinnern, das Teilen von europäischer Geschichte anhand von individuellen Lebensgeschichten, steht im Fokus des Projektes. Die großen geschichtlichen Zusammenhänge sollen in Einzelschicksalen sichtbar und als hörbare Geschichte wieder lebendig werden. In der Begegnung der verschiedenen Schulen und Nationalitäten stellt ein solches Erasmus+ Projekt ein wertvolles Stück gelebtes Miteinander in Europa dar, eine Erfahrung, die einige Schüler*innen der OPS schon im vergangenen Schuljahr im Austausch mit Italien erleben durften.

Statt uns gegenseitig zu besuchen, konnten wir uns aber bisher in unserem neuen Erasmus+ Team nur online kennenlernen. Die Schüler*innen haben kurze Audios oder Videos aufgenommen und damit sich und ihre Schule auf der europäischen Schulplattform eTwinning vorgestellt, natürlich alles auf Englisch und im Distanzunterricht überwiegend am eigenen Computer. Im Moment gestalten alle Teams ein Logo und einen Jingle für das gemeinsame Online-Radio, über die dann in einer Online-Umfrage abgestimmt werden. Ein Schüler hat auch schon Tutorials extra aufgenommen, um unseren Partnern die Handhabung des Audioschnittprogramms zu erklären. Der Umgang mit den Medien hätte natürlich im Dezember live bei uns im Schulhaus eingeführt werden sollen. In Zusammenarbeit mit dem BR war und ist ein eigener Workshop für alle Teams geplant. Neben dem journalistischen Handwerkszeug steht aber vor allem die Erinnerungskultur im Mittelpunkt der ersten Mobilität. Wir werden unseren Gästen die Lebensgeschichten der Menschen, für die in unserem Schulsprengel Stolpersteine verlegt wurden, vorstellen und in der Gedenkstätte Dachau gemeinsam weitere Biografien des Gedächtnisbuches der ehemaligen Häftlinge des KZ Dachau kennenlernen.

Bis zu diesem ersten Austauschbesuch arbeitet unser Schulradioteam „alleine“ an einem Hörspiel zur Biografien der Familie Kohn, einer jüdischen Kaufmannsfamilie aus Rosenheim, die ab 1937 emigrieren musste. Anfangs konnten wir noch zur Recherche in Zweiergruppen ins Rosenheimer Stadtarchiv fahren – eine aufregende Erfahrung in originalen Dokumenten aus dieser Zeit zu lesen, aber in der zweiten Homeschooling-Phase musste dann alles am PC erledigt werden. So lernten wir, wie man in großen Online-Archiven, wie z.B. den Arolsen Archives, Dokumente anfordert oder wie man online auf MS Teams gemeinsam an den Hörspieldialogen schreiben kann. Für die Interviews mit den Angehörigen des Musikers Franz Kaufmann, der die Konzentrationslager Dachau und Sachsenhausen überlebt hat, haben wir es sogar geschafft über eine Online-Konferenz Aufnahmen zu machen. Für die beteiligten Schüler*innen ist ein solches Zeitzeugeninterview eine sehr bewegende Erfahrung.

Jetzt hoffen wir, dass wir uns bald auch mit den anderen Schulen über diese Erfahrungen austauschen können und beispielsweise über deren Geschichten von Widerstandskämpfer in den besetzten Niederlanden oder Fluchthelfer im damals neutralen Portugal erfahren. Ob virtuell oder hoffentlich im nächsten Schuljahr in Präsenz, sicher ist, dass dieser Austausch in der Brückensprache Englisch stattfinden wird. Das ist dann die nächste Herausforderung unseres Erasmus+ Projekts „Listen to my story – European History on schoolradio“.

Michaela Hoff, Klassenlehrkraft und Leitung der Schulradio AG

Die Simssee Welle mit TurnOn in Oberammergau

2. – 3.12.2019

Die Simssee Welle,unser Schulradioteam, nimmt in diesem Jahr zum achten Mal am Schulradiowettbewerb TurnOn teil. Mit diesem Projekt lädt der Bayerische Rundfunk jedes Jahr Schulradioteams aus allen Schularten und aus ganz Bayern zu einem Workshop, einer Art Schülerfortbildung, und einem anschließenden Wettbewerb ein. Aus unserem neuen Radioteam durften nun sechs Schüler und Schülerinnen gemeinsam mit Frau Hoff für zwei Tage in die Jugendherberge nach Oberammergau fahren, um dort von den BR-Profis in die Geheimnisse der Radiotechnik und das Handwerk des Rundfunkreporters „eingeweiht“ zu werden. Jedes Schulradioteam bekommt vom BR ihren eigenen Coach, der den Schülern bei der Radioarbeit zur Seite steht. In unserem Fall unterstützt die bewährte BR-Mitarbeiterin Katrin Stadler unsere engagierten Nachwuchsreporter. Sie wird uns auch in den kommenden Monaten mehrmals an der Schule besuchen und das Team bei der Erstellung der Wettbewerbsbeiträge begleiten.

Wer mehr über dieses BR-Projekt erfahren möchte und unsere Radioreporter in Action sehen möchte, kann die aktuellen Bilder und vor allem Sendungen unter folgenden Links finden:

https://www.br.de/medienkompetenzprojekte/inhalt/turnon/turnon-2019-20-basisworkshop-oberammergau-100.html

Alle guten Preise sind drei – Simssee Welle gewinnt mit den „Stolpersteinbeiträgen“ auch bei TurnOn

Ein drittes Mal hat sich unser Schulradio mit den Radiobeiträgen zum Thema „Stolpersteine“ an einem Wettbewerb beteiligt. Mit den beiden Hörspielen „Wer war Johann Vogl?“ und „Elisabeth Blocks Tagebuch“ hatten wir beim Schulradiowettbewerb TurnOn des BR zwei Beiträge mit Überlänge eingereicht und große Zweifel, ob unsere Hörspiele überhaupt teilnehmen können. Eigentlich dürfen die Wettbewerbsbeiträge die Länge von 4 min nicht überschreiten und daran hatten wir uns die letzten Jahre auch immer brav gehalten, aber dieses Mal wollten wir die Geschichte von Johann Vogl und Elisabeth Block nicht kürzen. Die Hörspiele sind als eine Art Audioguide für die Verlegungsstelle der Stolpersteine produziert worden und daher haben wir uns bei ihrer Geschichte nicht auf die 4 min beschränken wollen. Natürlich konnten wir mit einer Dauer von zweimal 11 min keinen offiziellen ersten Preis gewinnen, aber die Jury war inhaltlich und von der technischen Qualität so begeistert, dass sie eigens einen Sonderpreis für unsere Hörspiele ins Leben gerufen haben. Die Jury und Programmbereichsleiter von B2 finden das Thema so wichtig und gut gemacht, dass sie die Beiträge richtig in ihrem Programm senden wollen. Am Freitag, 13.9 zwischen 10 und 11 Uhr wird es auf B2 im „Notizbuch“ zu dem Thema eine Sendung mit Experteninterview und unseren Beiträgen geben. Wir werden damit bayernweit zu hören sein und das Simssee Wellen Team darf im Funkhaus dabei sein!!!
Also, weiter sagen, B2 einschalten und lauschen…

Wer einen Eindruck von der Preisverleihung bekommen möchte, kann hier einen kleinen Film und ein paar Bilder sehen:
https://www.br.de/medienkompetenzprojekte/inhalt/turnon/turnon-2019-finale-schulradio-104.html

Namen statt Nummern

Im Rahmen des Stolpersteinprojekts war unser Schulradioteam am Freitagabend zur Vorstellung der diesjährigen Gedächtnisblätter in die KZ Gedenkstätte nach Dachau eingeladen. Diese Veranstaltung findet seit zwanzig Jahren immer am 22. März, dem 86.Jahrestag der Errichtung des Konzentrationslagers Dachau, statt. Zehn Häftlingsbiografien wurden in diesem Jahr stellvertretend für die unzähligen Opfer vorgestellt. Historiker, Lehrer, Studenten, junge Menschen aus Freiwilligen Diensten, aber auch Angehörige und ehemalige Nachbarn haben in mühevolle Recherchearbeit Puzzlestücke aus Dokumenten, Briefen, Gesprächen und Bilden zusammengetragen und so aus den anonymen Nummern wieder Menschen mit Namen, Gesichtern und Geschichten gemacht. So auch Herr Dr. Nowotny, der die Biografie Johann Vogls im Rahmen der Stolperstein Initiative  zusammengesammelt und aufgeschrieben hat. Johann Vogl wurde 1936 aufgrund seiner politischen Unbeugsamkeit von den Nazis nach Dachau verschleppt und starb dort ein Jahr später. Im Sommer 2018 war das Radioteam dabei, als am Kiosk in Schloßberg für Johann Vogl ein Stolperstein verlegt wurde. Nun erinnert an ihn auch ein Gedächtnisblatt in der Gedenkstätte in Dachau. Unser Radioteam durfte an der Verlesung teilnehmen und Herr Nowotnys Vortrag mit Ausschnitten aus den Briefen Johann Vogls unterstützen. Die vielen unterschiedlichen Biografien und Schicksale zu hören, waren für alle ein sehr bewegendes Erlebnis.

M. Hoff

Die Simssee Welle mit TurnOn unterwegs

28./29.1.2019

Die Simssee Welle, unser Schulradioteam, nimmt auch in diesem Jahr am Schulradiowettbewerb TurnOn teil. Mit diesem Projekt lädt der Bayerische Rundfunk jedes Jahr Schulradioteams aus allen Schularten und aus ganz Bayern zu einer Art Schülerfortbildung und einem anschließenden Wettbewerb ein. In diesem Jahr durfte unser Radioteam mit sechs Schüler* zu einem zweitägigen Aufbau-Workshop nach München ins Funkhaus des BR. Moderation, Hörspiel, Sounddesign, Radiospiele und Interview standen für unser Team auf dem Programm. Jeder konnte in zwei verschiedene Workshops hineinschnuppern und unter Anleitung erfahrener Radioprofis selber etwas produzieren. In der Abschlussrunde gab es dann die vielen spannenden, interessanten und auch lustigen Beiträge für alle zu hören. Sehr motiviert und voller Ideen ging es am späten Nachmittag zurück…

Übrigens eines der Minihörspiele ist auf der Schulradioseite zu hören. Viel Spaß beim Lauschen!

M. Hoff

 

 

 

 

Schulradio Simssee Welle erreicht „Lobende Erwähnung“ bei TurnOn 2018

Nach dem tollen Erfolg im Vorjahr erreichte unser Schulradio Simssee Welle mit ihren diesjährigen Beiträgen zum TurnOn-Wettbewerb des BR eine „Lobende Erwähnung“.

Bei diesem jährlich stattfindenden, bayernweiten Schulradio-Wettberwerb werden unter den eingeschickten Radiobeiträgen die jeweils besten prämiert und zum BR eingeladen. Auch die mit einer Urkunde bedachte „Lobende Erwähnung“ ist wieder ein schöner Erfolg für unser Radioteam und als Höhepunkt durften die SchülerInnen im Anschluss an die Preisverleihung an der Seite von BR-Moderatorin Susanne Rohrer einen Blick in das professionelle Aufnahmestudio werfen.

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Wir gratulieren ganz herzlich!

Und noch ein Preis für unser Schulradio!!!

Die Simssee Welle, unser Schulradioteam, hat im Juli ihren Radiobeitrag „Was sind Stolpersteine?“ beim Jugendradiowettbewerb „Politik und wir“ eingereicht. Daraufhin wurden wir vom Medienzentrum München zu einem sogenannten Barcamp und der Preisverleihung am Samstag 15.9 eingeladen. Ein Barcamp funktioniert ähnlich wie ein Workshop, nur dass es keinen Fachmann gibt, sondern alle Teilnehmer gemeinsam das Thema oder die Frage bestimmen, über die in der Runde diskutiert wird. Das war sehr aufregend, denn so sind wir mit ganz unterschiedlichen Jugendradiomachern ins Gespräch gekommen. Wir waren das einzige Schulradioteam, die meisten Jugendradioteams produzieren ihre Sendungen in ihrer Freizeit, beispielsweise in Jugendtreffs. Manche haben sogar eigene Sendeplätze und sind im Internet zu hören. Für uns war es auf jeden Fall sehr interessant und wir haben einige gute Ideen für unsere Projekte mitgenommen.

Die Preisverleihung fand am Abend im Hotel Lovelace in der Münchner Innenstadt im Rahmen der „Langen Nacht der Demokratie“ statt. Das Gebäude, eine umgebaute riesige Bank, war echt beindruckend und als wir die vielen Leute rund um die Podiumsdiskussion gesehen haben, wurden wir ganz schön nervös. Unser Teil der Veranstaltung war aber Gottseidank in einem Nebensaal untergebracht und von dort aus wurde alles live von dem Jugendradio „Störfunk“ im Internet gesendet.  Auch das Simssee Wellenteam musste mit zwei Teilnehmern zum Interview auf die Bühne. Zur Preisverleihung sprach Frau Barbara Stamm, die Präsidentin des Bayerischen Landtages und Schirmherrin der Veranstaltung, über die große Bedeutung von Demokratie und Engagement und wie wichtig sie es findet, dass Kinder und Jugendliche beispielsweise in den Landtag kommen und ihre Meinungen und Sorgen öffentlich sagen können.

Danach wurde es richtig spannend! Vor jeder Preisverleihung wurde ein „Hörsalat“ aus allen eingereichten Beiträgen aus der jeweiligen Altersgruppe präsentiert. Als wir bei den 12 – 15 Jährigen nicht dabei waren, machten wir uns wenig Hoffnung, aber dann las Frau Stamm plötzlich vor, dass eine Mittelschule in der Altergruppe 16 – 21 Jahren gewonnen hat. Das konnten nur wir sein! Schnell wurden wir alle auf die Bühne geholt und durften uns anhören, dass unser Beitrag sich super mit dem schwierigen Thema „Erinnerung an die Opfer des NS-Regime“ auseinandergesetzt hat und auch ein gutes Beispiel für einen ganz anderen Geschichtsunterricht ist. Belohnt mit einer Urkunde, einem Preisgeld und Schokoladenradios für jeden standen wir strahlend auf der Bühne.

Müde, aber glücklich und sehr aufgedreht machten wir uns auf den Heimweg…

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Schulradio setzt sich mit dem Nationalsozialismus auseinander

Aktiv gegen rechtsradikales Denken

Wenn das Thema auch ernst ist, so haben die Mitglieder des Schulradios doch auch viel Spaß. Beispielsweise wenn das Schneidprogramm nicht so will, wie die Schulradiomitglieder wollen. © Johannes Thomae

Johann Vogl aus Stephanskirchen wurde von den Nationalsozialisten ermordet. Jetzt soll seiner durch einen sogenannten Stolperstein gedacht werden. Ein Projekt, in das auch Jugendliche eingebunden werden sollten. Die Arbeitsgruppe Schulradio der Mittelschule Stephanskirchen nahm die Herausforderung mit großem Engagement an.

Stephanskirchen – Man darf nicht aufhören, darüber zu reden, denn es war Unrecht. Im Gegenteil. Man müsste viel mehr darüber sprechen, denn man vergisst so leicht und die, die da dummes Zeug von sich geben, wissen meist einfach zu wenig. Dieser Satz zum Thema Judenverfolgung und Drittes Reich stammt nicht von Stephanskirchens Bürgermeister Rainer Auer, sondern vom 15-jährigen Nico, Mitglied des Schulradioteams der Stephanskirchener Mittelschule.

Rainer Auer wäre aber sicher 100-prozentig einverstanden mit dieser Äußerung – steckt in ihr doch viel von dem, weswegen man seiner Meinung nach die Erinnerung an Johann Vogl wachhalten sollte: Es geht erstens um die Überzeugung, dass man Dinge, die offensichtlich falsch laufen, weil sie den grundlegenden Regeln von einem anständigen Miteinander widersprechen, beim Namen nennen muss. Und zweitens geht es darum, dieser Überzeugung auch dann treu zu bleiben, wenn man ihretwegen etwas schwerer lebt, als ohne sie.

Ein Ziel – heute wieder wichtiger denn je. Aber schwere Kost für junge Leute im Alter von 14 bis 16, könnte man meinen. Nicht zuletzt, weil das Vorbild seit 80 Jahren tot ist und seine Person nur durch harte Arbeit, durch Lesen und Nachfragen, also durch Quellenarbeit und Recherche, wieder lebendig wird.

Die neun Schüler der Arbeitsgruppe aber stürzten sich mit Feuereifer auf die Aufgabe, umzingelten quasi das Thema gleich von mehreren Seiten. Einerseits gingen sie der Idee der Stolpersteine nach und wie diese in Stephanskirchen Fuß fasste, sprachen mit dem Initiator, mit Thomas Nowotny von der Initiative Erinnerungskultur, interviewten den Bürgermeister. Andererseits machten sie sich auf die Spuren von Johann Vogl, lasen, was es zu lesen gab, informierten sich bei Heimatpfleger Karl Mair.

Wacheres Gespür für Unrecht

Dass diese Beschäftigung nicht nur den Verstand, sondern bald auch das Gefühl der Schüler erfasste, mag daran liegen, dass der Mensch in diesem Alter noch ein wacheres Gespür für Unrecht hat, und auch noch die Gabe, sich unverstellt darüber zu empören. Es lag aber, wie Michaela Hoff, Lehrerin an der Schule und Projektleiterin des Schulradios erzählte, sicher auch an einem Besuch der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Dachau zu Anfang des Projektes.

„Als wir an einem nebligen Novembertag nach Dachau fuhren, haben wir uns in aller Naivität vorgenommen, dort nach Johann Vogl zu suchen – eine Gedenktafel, eine Liste, irgendwo würde möglicherweise sein Name zu finden sein.“ Um so brutaler, so Michaela Hoff, war für die Schüler die Erkenntnis, dass dort so viele umgekommen sind, dass der einzelne Mensch vor seinem Leben noch seinen Namen verlor: Das, was aus einem Menschen aus Fleisch und Blut samt seinem Schicksal wurde, war eine bloße Zahl in dieser riesigen Kette der Ermordeten.

Für die Schüler ganz offensichtlich der Ansporn, der Person von Johann Vogl wieder so viel Leben zu geben, wie nur möglich. Sie arbeiten deshalb neben einer allgemeinen Reportage über das Stolpersteinprojekt in Stephanskirchen auch an einem Hörspiel speziell über Johann Vogl. Eine anspruchsvolle Herausforderung, wenn man die Sache so ernst nimmt, wie die Schulradiogruppe.

So hatten sie zum Beispiel die Idee, eine nächtliche Unterhaltung zwischen Johann Vogl und seiner Frau darzustellen, in der sie ihm sagt, dass sie Angst um ihn hat und er ihr erklärt, warum er sich weiterhin den Mund nicht verbieten lassen will. Eine Szene, wie sie in einer der beliebten historischen Fernsehdokus sicher zu sehen wäre.

Doch die Schüler bekamen Zweifel: Wir wissen ja gar nicht wirklich, wie Johann Vogl und seine Frau zueinander standen, wie sie miteinander geredet haben. Nicht mal, ob sie sich überhaupt darüber unterhalten haben. Dürfen wir das dann trotzdem so darstellen, weil wir es dadurch schaffen, Johann Vogls Haltung lebendiger werden zu lassen? Hier beweisen 14- bis 16-jährige Mittelschüler eine Aufgeklärtheit und eine Sensibilität im Umgang mit der historischen Wahrheit, die selbst bei Medienprofis nicht immer die Regel ist.

Überraschend viel Nachdenklichkeit zeigt sich auch, wenn man wissen will, welche Erkenntnis sie aus der bisherigen Arbeit gewonnen haben. Unabhängig voneinander nennen so gut wie alle die Befürchtung, dass sich ähnliches wie im Dritten Reich durchaus wiederholen könnte. Dass das nichts war, was ein für allemal überwunden und damit Geschichte ist. Unterschiedlich ist, wie die einzelnen mit dieser Sorge umgehen. Manche wie die 15-jährige Maggie sind froh, dass die Gefahr bei aller Bewusstheit glücklicherweise noch relativ abstrakt bleibt: „Wenn ich drüber nachdenk‘“, sagt sie, „bekomm ich Schiss. Ich versuch aber, mir mein Leben dadurch nicht auf Dauer vermiesen zu lassen“. Andere wie Nico sind der Überzeugung, dass man jetzt und sofort anfangen muss, aktiv gegen rechtsradikales Denken vorzugehen worunter er vor allem aufklären versteht. Denn auch Rechtsradikalismus fängt seiner Meinung nach vergleichsweise harmlos an. „Wenn einer in der Klasse den Hitlergruß zeigt, dann macht er das, weil er provozieren will, sich dabei toll findet. So einer denkt sonst nicht weiter drüber nach. Dem muss man einfach sagen, was damit alles verbunden ist.“

Vogls Botschaft wieder lebendig machen

So hat der Stolperstein in Stephanskirchen im Grunde seinen Zweck schon erfüllt, bevor er überhaupt verlegt ist: Für die zehn Mitglieder des Schulradios ist die Person, das Schicksal und, wenn man so will, auch die Botschaft Johann Vogls wieder lebendig geworden. Ein „es passt schon so, wies derzeit ist“ wird es für sie so leicht nicht wieder geben.

Mehr noch: Sie tragen das, was sie erfahren haben, mit ihrem Schulradio in alle Klassen der Mittelschule und vielleicht sogar darüber hinaus: Angedacht ist, die Beiträge zum Projekt der Stolpersteine und zu Johann Vogl am Gedenkstein über jedes Smartphone abrufbar zu machen.

OVB 27.6.2018 / Johannes Thomae