Erasmus+ Projekt „Into the Wilderness”

Die Otfried-Preußler-Mittelschule besucht ihre Partnerschule in Finnland (17.05. – 23.05.2026)

Als 2019 die erste Schülergruppe nach Italien fuhr, musste man noch ständig erklären, was ein Erasmus-Austausch ist. Inzwischen sind wir mitten in unserem fünften  Erasmus-Projekt und in der Woche vor den Pfingstferien haben sich zehn Schülerinnen und Schüler der Klassen 7cM, 8cM und 9cM gemeinsam mit Frau Hoff, Herrn Burghartswieser und Frau Gambardella auf den Weg zu unserer finnischen Partnerschule nach Loviisa gemacht. Schon 2024/25 haben wir mit Finnland und Österreich im Projekt „Health is wealth“ zusammengearbeitet und uns dabei intensiv mit dem Thema Gesundheit beschäftigt. Dieses Mal haben wir uns das Thema „Into the wilderness“ vorgenommen und setzen uns mit den typischen Biotopen und Naturräumen unserer Regionen auseinander. Ziel ist es, unsere jeweiligen Naturschätze, ihre Bedeutung und auch ihre Gefährdung kennenzulernen und Ideen zu entwickeln, wie wir zu deren Schutz beitragen können. Nach dem Motto „Nur, was man kennt und schätzt, das schützt man auch“ soll damit die Basis für eine wertschätzende und schützende Haltung gelegt werden.

Um rechtzeitig am Flughafen zu sein, mussten wir schon um 4.30 Uhr aufbrechen – ein großes Dankschön an alle elterlichen Fahrgemeinschaften – denn so früh ging wirklich noch kein Zug am Sonntag. Alles hat reibungsfrei geklappt und die Vorfreude auf den Flug war groß, da es für einige der allererste Flug war. Von Helsinki ging es noch eine Stunde mit einem Kleinbus nach Loviisa und dort war dann die Aufregung riesig, als jeder von seiner Gastfamilie abgeholt wurde. Gut, dass alle Partner schon vorher im WhatsApp-Kontakt waren. Die Lehrer sind erstmal Lebensmittel einkaufen gegangen – in Finnland ist das am Sonntag kein Problem – da sie in einem gemütlichen Ferienhäuschen als Selbstversorger untergebracht waren.

Am Montag startete das Projekt in der Schule mit Kennenlernspielen, einem Rundgang durchs Gebäude und Unterrichtsbesuchen. Nach dem gemeinsamen Mittagessen – das Mensaessen ist für alle Schüler und Lehrer in Finnland kostenfrei – erkundeten die Schüler in Kleingruppen Loviisa und die direkte Küste (die Kleinstadt liegt an der Ostsee) mit einer Schnitzeljagd, deren Aufgaben auf einer Karte im Handy zu beantworten waren.

Der zweite Tag stand ganz unter dem Thema Ostsee und im Hafen wartete auf uns ein echtes, großes Segelschiff. Diese Schiff wurde von Freiwilligen nachgebaut und das Original diente früher dem Personenverkehr zwischen Loviisa und Helsinki. Nun wird die Rekonstruktion für Fahrten von Schulklassen und Jugendgruppen genutzt, um ihnen das „alte“ Segeln und die maritime Natur nahezubringen. Das bedeutete, dass wir nicht einfach als Passagiere mitfuhren, sondern alle mithelfen konnten und auch mussten. Ob Segelsetzen oder Navigieren, überall war Teamarbeit nötig. Auch das Essen fand gemeinsam unter Deck statt – faszinierend, was in eine so kleinen Küche auf See alles gekocht werden kann. Bei einem Stopp und Landgang auf einer typischen Ostseeinseln konnten wir die dortige Festung besichtigen und erfuhren viel über die Geschichte Finnlands, über die schwedische (ca. 700 Jahre) und russische (ca. 110 Jahre) Besetzungen, über die noch junge Unabhängigkeit Finnlands (seit 1917) und die aktuell angespannte Situation mit dem Nachbarn Russland und den geschlossenen Grenzen.

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Am Mittwoch ging es per Bus in die Hauptstadt Helsinki und dort gleich wieder auf ein Fährboot, um die beliebte Ausflugsinsel Suomenlinna zu besuchen. Dort war eigentlich eine Naturführung geplant, aber aufgrund eines Missverständnis bei der Buchung wurde uns stattdessen von einem dortigen Reiseführer ganz viel über die Geschichte der Festung erzählt. Das war zwar nicht uninteressant, aber die detaillierten historischen Beschreibungen brachte doch die meisten Schüler an ihre englischen Sprachgrenzen. Umso mehr freuten sich dann alle auf etwas freie Zeit in der Stadt. Vorher gab es aber noch ein Mittagessen in der Mensa der Universität Helsinki.

Am Donnerstag lernten wir die Region Kotka, östlich von Loviisa, kennen. Zuerst fuhr uns der Bus in den Valkmusa National Park, wo wir eine Rundwanderung durch ein Moor machen konnten. Dort gab es viele typischen Moorpflanzen zu entdecken und das Laufen auf den Brettern machte allen viel Spaß. Um Vögel beobachten zu können, hätten wir allerdings mehr Geduld gebraucht und auch viel leiser sein müssen. Im Anschluss besuchten wir das „Maretarium Baltic Sea Aquarium“ und lernten dort die typischen Fische der Ostsee und der finnischen Seen kennen. Dass es danach als Mittagessen eine Fischsuppe (sehr lecker!) gab, begeisterte nicht jeden, aber mit den belegten Semmeln waren dann alle zufrieden.  Der Verdauungsspaziergang führte uns dann durch Sapokka Water Garden, ein schön angelegter Garten mit viel Fels- und Wasserelementen. Zum Schluss stoppten wir noch im Langinkoski Nature Park, der entlang einer Flussmündung führt. An diesem wilden Fluss hatte die Zarenfamilie eine Sommerfrische mit Anglerparadies erbauen lassen, so man dort heute noch viele Wege und Brücken zum Wandern hat. Besonders abseits der Wege machte es allen Spaß, ein wenig Wildnis zu entdecken.

Unseren letzter Tag mit unseren Gastgebern verbrachten wir wieder in der Schule. Aufgrund des Regenwetters (bisher hatten wir viel Glück mit dem Wetter) musste die Naturrundtour mit Picknick ausfallen, aber es gab auch Indoors genug zu tun. Aus den vielen Naturbildern und Fotos der Aktivitäten, die alle die Woche über gesammelt hatten, sollten mehrere Filme entstehen. Das war gar nicht so einfach und der Gesamtfilm war dann doch eine etwas zu lang geratene Präsentation. Hier werden wir auf jeden Fall noch mal eine zweite Bearbeitung des Filmmaterials einplanen, denn die wunderbaren Eindrücke diese gemeinsamen Erasmus-Woche möchten wir natürlich mit allen Interessierten teilen.

Am Samstag hatten wir in Helsinki noch den ganzen Tag Zeit, uns die beeindruckende Bibliothek Oodi anzuschauen, durch die Stadt zu bummeln, ein Rentiergericht zu probieren (nur wer wollte) und in einem Park an der Küste noch ein bisserl die Seele baumeln zu lassen, bevor es zum Flughafen ging. Beim Abschied am Samstagmorgen merkte man, wie sehr viele mit ihren Gastfamilien in dieser Woche zusammengewachsen sind. Gut, dass wir alle wissen, dass wir uns im Oktober wiedersehen werden … Danke an Erasmus und die EU!

M. Hoff, Erasmuskoordinatorin